Gemeinsam nach vorn!

29. Juli 2009

Wenn in Deutschland die meisten nur an Urlaub und den Sommer denken, haben zumindest wir bei Sariry immer zwei, die eifrig die letzten Reisevorbereitungen treffen, um sich freiwillig in einer unwirtlichen Umgebung für fast ein Jahr zu engagieren. In diesem Jahr sind Alexander aus München und Julius aus dem norddeutschen Harpstedt für uns am Start – und in wenigen Tagen geht es für beide zum Anderen Dienst im Ausland in den bolivianischen Winter…

Julius hat in jedem Fall schon einen Blog ins Leben gerufen: Gemeinsam nach vorn! Hier kann der Leser am Geschehen im Projekt unmittelbar teilhaben. Bleibt uns nur noch, unseren beiden Zivis ein unvergessliches und schönes Jahr in Tilata zu wünschen und allen Lesern in Deutschland viel Spaß beim Lesen!


TV-Hinweis: Wunsch und Wirklichkeit

18. Juni 2009

Letzten Sonntag haben wir uns mit den zukünftigen Zivis getroffen und gemeinsam ihren Einsatz in Bolivien vorbereitet. Dieses Vorbereitungstreffen ist nicht nur notwendig, weil man für Mentalitätsunterschiede oder landesspezifische Gefahren und Risiken sensibilisiert werden muss, sondern vor allem, weil zwischen dem eigenen Wunsch zu Helfen und der Möglichkeit etwas nachhaltig verändern zu können oft ein großer Unterschied klafft. Dann aber wird der eigene Einsatz für eine bessere Welt schnell frustrierend…

Heute beginnt im swr eine vierteilige Reportage über den Freiwilligendienst um Ausland. Heute abend wird es über den Abschied in Deutschland gehen – und wie die Eltern damit umgehen, wenn die Jugendlichen „flügge“ werden. Uns liegt aber besonders die nächste Folge sehr am Herzen, denn hierin geht es über die vielleicht größte Problematik im Freiwilligendienst: Wie geht man mit der anderen Kultur um? Welchen Platz nimmt man in der neuen Gesellschaft ein? Darf man da überhaupt noch eigene Ansprüche haben? Und was macht man, wenn es nicht läuft, wie man es sich erwartet hat? Viele Idealisten, die sich aufgemacht haben, um am anderen Ende der Welt zu helfen, kehren frustriert zurück: zuletzt scheint man auf dieser Erde nichts verändert zu haben, außer sich selbst… – man ist einer Illusion beraubt.

Doch man darf die Hoffnung in der Entwicklungszusammenarbeit natürlich nicht verlieren, denn die Jugendlichen haben allesamt und jeder für sich viel geleistet. Meistens ist man ja auch nicht so sehr darüber frustriert, dass sich garnichts verändern ließ, sondern darüber, dass die eigenen Ansprüche zu Beginn so unrealistisch hoch waren. Und eben an diesen Ansprüchen muss man arbeiten – die Reportage versucht hier „Entwicklungshilfe“ in Deutschland zu leisten und ein realistischeres Bild darüber vermitteln, was wünschenswerter Wunsch bleiben muss – und was wirklich Wirklichkeit werden kann…

swr: 25.06, 22:30 Uhr
Die Freiwilligen – ein Jahr für die Welt. Wunsch und Wirklichkeit


Eindrücke vom Wahlabend

12. Februar 2009

Direkt vor den Wahlen war unser Zivi David in Santa Cruz, der „Hauptstadt“ des Media Luna, wo die Stimmung gegen die neue Verfassung stand. Den Wahltag selbst verbrachte er aber in La Paz, wo der Verfassungsentwurf weithin befürwortet wurde. Für unseren Blog hat er seine Eindrücke in Wort und Bild gefasst…

Am Wahltag war ich in La Paz. Ich habe die Wahlen im Fernsehen verfolgt und bin dannach auf eine Kundgebung gegangen, an der auch Evo Morales teilnahm. Vor dem Regierungpalast hatte sich schon eine große Menschenmenge versammelt, die alle in Hochstimmung waren, denn ca. eine Stunden zuvor wurden die Wahlergebnisse bekannt gegeben. Es wurden Lieder gesungen und immer wieder wurde Evo Morales aufgefordert eine Rede zu halten. Nach zwei Stunden im Regen kam er dann auch und sprach zur versammelten Menge. Nach fast jedem Satz brachen alle in Beifall und zustimmendes Rufen aus.

Die Befürworter der Verfassung in La Paz...

Die Befürworter der Verfassung in La Paz...

Als die Rede beendet war spielte eine mexikanische Band und heizte die Stimmung der Demonstranten noch mehr an. Die Menge war in Hochstimmung und wollte dieser freien Lauf geben. So entstand ein Straßenzug, der mit Getrommel und Gesang begleitet wurde. Immer mehr Menschen schlossen sich dem Zug an, sodass er bald auf ungefähr 200 Menschen anwuchs. So ging es eine Stunde durch die Straßen von La Paz, bis sich alle auf dem Prado versammelten und zu Tanzen begannen.
Mich hat dieses Erlebnis sehr beeindruckt, denn ich hatte das Glück beide Städte, Stanta Cruz und La Paz, die als Hochburgen für „NO“ und „SI“ gelten, in ihren Reaktionen auf die Wahlen zu sehen.

Stimme dagegen! Diskutierende Männer in Santa Cruz.

Stimme dagegen! Diskutierende Männer in Santa Cruz.

In Santa Cruz haben die Menschen der bevorstehenden Wahl fast ängstlich gegenübergestanden, denn sie wollten auf jeden Fall vermeiden, das Hochland finanziell zu unterstützen. In La Paz habe ich die große Freude mitbekommen, die die Menschen empfanden, da sie nun nicht allein dastehen. (von David, Zivi in Bolivien)

Freudentaumel in La Paz

Freudentaumel in La Paz


David möchte die Hygiene verbessern

2. Februar 2009

Während Vitus an seinem Breakdance-Projekt arbeitet, hat sich unser Zivi David mit ganz grundsätzlichen Verbesserungsmöglichkeiten beschäftigt:

Was mir am Herzen liegt, ist die Hygieneerziehung der Kinder. Ich erachte es als sehr wichtig den Kindern zu vermittlen, für was beispielsweise das Händewaschen nach dem Klogang wichtig ist.

In Tilata gibt es erst seit August letzten Jahres eine öffentliche Wasserversorgung. Zuvor musste das Wasser aus Brunnen geschöpft werden, die oft jedoch nur zu den oberen Schichten des Grundwassers reichten – mit fatalen Folgen: Da es keine Kanalisation gab, sickerten die Abwässer ins Grundwasser und gelangten so auf direktem Wege wieder in die Nahrungskette.

Um dieses Problem zu umgehen, ließ sich SARIRY von einem Tanklaster mit Wasser beliefern. Das Wasser war damit zwar zunächst frei von Verunreinigungen, die Lagerung des Wassers war aber ein großes Problem: Das Wasser stand in den schlecht verschließbaren Fässern und war der starken Höhensonne ausgesetzt. Je länger das Wasser also so gelagert wurde, desto schlechter wurde seine Qualität.

Das Trinkwasser musste früher in Fässern gelagert werden

Das Trinkwasser musste früher in Fässern gelagert werden

Seit wenigen Monaten gibt es nun in SARIRY einen öffentlichen Wasseranschluss, der den Familien von Tilata Zugang zu sauberem Wasser ermöglicht. Diese verbesserten Bedingungen sind eine wichtige Grundlage für die Hygieneerziehung von David.

Allerdings gibt es mit der Wasserleitung noch große technische Probleme:

Leider ist die neue Wasserinstallation im Projekt suboptimal. Es wurden Plastikleitungen verlegt, die offen liegen und somit öfter auch mal einen Fussball abbekommen. Der einzige Wasserhahn ist an der Küchenwand angebracht, was zur Folge hat, dass die Wand oft nass ist. Zudem ist der Wasserhahn aufgrund einer schlechten Installation großen Kräften ausgesetzt und daher schon des Öfteren kaputt gegangen.

Leider hat bei der Wasserleitung, wie auch sonst bei so vielem in Tilata, das Geld gefehlt. Dadurch konnte nur eine provisorische Lösung für die schlechte Wasserversorgung realisiert werden – aber immerhin: eine Lösung!

Die Feuchtigkeit in den Wänden kann man dennoch nicht hinnehmen. In Tilata werden viele Häuser aus luftgetrockneten Adobe-Ziegeln gebaut, weil diese wesentlich günstiger als gebrannte Ziegel sind. Werden solche Mauern nass (z.B. durch Regen), fallen sie oft ein. Insofern braucht es eine dringende Lösung! David hat auch schon einen Plan:

Ich will die Installation des Wasserhahns verbessern, indem ich zuerst den Wasserhahn fest an der Wand intalliere und dann eine Abdeckung dahinter anbringe, um die Wand vor den ständiger Feuchtigkeit zu schützen. Die Kosten für die Massnahmen dürften nicht sehr hoch sein.

Und David denkt schon einen Schritt weiter:

Zudem wäre es sinnvoll, in den Toiletten Waschbecken anzubringen, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, sich nach dem Toilettengang die Hände zu waschen und somit die Hygieneerziehung anzuregen.

Trotz schlechter Hygiene keine Berührungsängste

Trotz schlechter hygienischer Bedingungen keine Berührungsängste

Es gibt für David also noch viel zu tun: Zunächst muss er die bestehenden technischen Probleme in den Griff bekommen. Dann kann er sich daran machen, die sanitären Bedingungen durch die Installation von Waschbecken zu verbessern (bisher kann man sich die Hände nur in einer gemeinsamen Waschschüssel waschen, was die Übertragung von Krankheitserregern begünstigt). Um die hygienischen Bedingungen jedoch wirklich nachhaltig zu verbessern, müssen die Kinder über die richtigen Verhaltensweisen aufgeklärt werden. Noch fehlt das nötige Geld für den Ausbau der Sanitäranlagen, doch David wird nicht müde, für besser Bedingungen zu kämpfen. Zumindest in der Erziehung zu mehr Hygiene hat er schon mal anfangen…

Lieber David, vielen Dank für das tolle Engagement. Hoffentlich haben wir bald genug Geld zusammen, damit Du die dringend nötigen Waschbecken bauen kannst.

Wenn Sie uns und David helfen möchten, die Wasserinstallationen zu verbessern, können Sie gerne spenden. Die Bankverbindung zu unserem Spendenkonto finden Sie hier. Schon kleine Beträge können große Veränderungen bewirken!


Breakdance-Projekt von Vitus

26. Januar 2009

Wie unlängst versprochen, möchte ich die Nachrichten aus Tilata unmittelbar weiterleiten. Heute soll als erster Beitrag das aktuelle Breakdance-Projekt von Vitus vorgestellt werden.

Das Breakdance-Projekt in Tilata

Das Breakdance-Projekt in Tilata

Eines Tages äußerten die Jugendlichen von Tilata Interesse daran, Breakdance zu lernen. Vitus hatte zunächst noch Bedenken, denn für Breakdance benötgt man eine gute körperliche Verfassung und kontinuierliches Training, um das Verletzungsrisiko zu verringern. Für eine Eintagsfliege wäre der Aufwand zu groß gewesen:

Ich hielt das zu Beginn nur für einen Spaß und habe mich nur wenig darum gekümmert. Solche Trends sind nämlich – vor allem in diesem Alter – nicht sehr beständig.

Doch die Jugendlichen ließen nicht locker.

Erste Erfahrungen im Breakdance

Erste Erfahrungen im Breakdance

So begann Vitus zu überlegen, wie er das Breakdance-Projekt verwirklichen könnte. Vor allem: Wer sollte die Jugendlichen anleiten? Er selbst hatte zwar einige Erfahrungen gesammelt, aber würden die ausreichen?

Nachdem aber einige Jugendliche beider Geschlechter immer noch Interesse zeigen, habe ich in La Paz einen Lehrer gefunden, der mir Unterricht geben würde.

So bringt Vitus jede Woche neue Moves aus der Stadt mit, auf die die Jugendlichen in Tilata bereits sehnlichst warten.

Vitus zeigt was er gelernt hat

Vitus zeigt was er gelernt hat

Damit gibt es seit einigen Wochen eine Breakdance-Gruppe in SARIRY. Vitus ist zufrieden:  Das Projekt macht nicht nur allen Beteiligten großen Spaß, sondern fördert zudem Teamgeist, Körperbeherschung und Selbstbewusstsein.

Ich sehe darin eine gute Möglichkeit für eine sinnvolle Beschäftigung.

Lieber Vitus, wir auch. Vielen Dank für die tolle Umsetzung des Projektes!

Oft schwieriger als es aussieht

Oft schwieriger als es aussieht