Der scharfe Wind im Altiplano (II)

1. November 2009

Vor etwa einem Monat musste ich hier die schlechte Nachricht posten, dass der Wind eine Außenmauer im Projekt zum Einsturz gebracht hatte. Heute kann ich den Erfolg vermelden: es ist wieder alles in Ordnung!

Was genau war passiert? Tilata ist recht dünn besiedelt und so kann der Wind recht ungebremst über die Hochebene fegen. Da die Außenmauern im Projekt aus Kostengründen nur aus luftgetrockneten Ziegeln bestanden, die durch Wind und Wetter im Laufe der Zeit zudem heftig angegriffen waren, hat ein Windstoß einen Teil der Mauer zum Einsturz gebracht. Ein großes Problem war dabei, dass in SARIRY viele Wertgegenstände (z.B. die Computer) ungeschützt waren.

Zivi Alexander umringt von Kindern auf der Baustelle

Zivi Alexander umringt von Kindern auf der Baustelle

Wo kamen die Mittel zum Wiederaufbau her? Rund 100 Euro (!) haben die Familien in Sariry selbst beigesteuert, das restliche Geld kommt aus Deutschland und Kanada – den beiden Ländern, in denen SARIRY Partnerschaften unterhält. Die Arbeit wurde wieder zum großen Teil von den Familien umgesetzt, die von SARIRY profitieren. Außerdem haben unsere Zivis Alexander und Vitus tatkräftig mitgeholfen.

Wie sieht die neue Mauer aus? Die neue Mauer wurde unter Mithilfe aller Mitglieder in SARIRY von Maurermeister Señor Angel gebaut. Dabei wurden die Fundamente freigelegt und hochwertige Materialien verwendet. Diesmal soll die Mauer dem scharfen Wind im Altiplano trotzen können.

Alle helfen mit, wo es nur geht.

Alle helfen mit, wo es nur geht.

Unser herzlicher Dank gilt allen, die den Bau der Mauer mit einer Spende unterstützt haben!


Der scharfe Wind im Altiplano

23. September 2009

Frisch zurück aus der Sommerpause, erreicht mich heute morgen eine schlechte Nachricht: Während bei uns der Sommer in den letzten Zügen liegt, beginnt in Bolivien gerade der Frühling und der Winter geht zu Ende. In dieser Jahreszeit kommt es immer wieder zu einzelnen heftigen Windstößen, abgesehen davon dass auf der Hochebene ohnehin durchweg ein kräftiger Wind geht. Und vermutlich war es eben solch ein Windstoß, der einen Teil der Außenmauer im Projekt zum Einsturz gebracht hat…

An der Einsturzstelle...

An der Einsturzstelle...

An dieser Stelle vielleicht ein paar Sätze dazu, wie das überhaupt passieren konnte: Ein recht preiswertes, wärmeisolierendes und daher im Altiplano häufig verwendetes Baumaterial sind luftgetrocknete Adobeziegel. Der Nachteil liegt allerdings darin, dass das Material durch Feuchtigkeit, insbesondere Regen aufweicht und nach und nach seine Stabilität verliert. So kann dann irgendwann ein einfacher Windstoß reichen, um eine Mauer zum Einsturz zu bringen.

Im Projekt sind die Mauern der Gebäude grundsätzlich verputzt, um die Wände vor Feuchtigkeit zu schützen. Außerdem bieten Streben aus Stahlbeton zusätzliche Stabilität. Die Hofbegrenzung ist aber aus Kostengründen eine reine Adobe-Mauer geblieben. Insofern ist nicht zu erwarten, dass auch andere Gebäudeteile durch einen Windstoß einstürzen können – gefährlich bleibt es trotzdem! Die Projektleiterin Elisa schreibt uns besorgt:

Gott sei Dank waren alle Kinder in der Aula – vielleicht wäre sonst ein Unfall passiert. Vermutlich haben das Gott und die Pachamama nicht zugelassen.

Auf diesen göttlichen Schutz gegen Unfälle würden wir uns in diesem Fall sogar gerne verlassen (möchten ihn aber natürlich dennoch nicht herausfordern), sehen uns aber auch mit einem irdischen Problem konfrontiert: Im Lauf der letzten Jahre haben sich im Projekt eine Vielzahl von Wertgegenständen angesammelt – man denke etwa an die Ausstattung der Küche und Werkstätten, die Computer und Musikinstrumente. Durch die Lage des Projekts in einem Armenviertel ist der Einsturz der Außenmauer natürlich wie eine Einladung für Plünderer zu verstehen. Daraus folgt: Die Mauer muss schnell wieder aufgebaut werden – und diesmal möglichst mit gebrannten Ziegeln!

Wie auch schon bei früheren Bauvorhaben beschäftigt das Projekt bei allen qualifizierten Arbeiten bevorzugt Handwerker aus Tilata, um den Familien eine Einkommensquelle zu bieten. Hilfsarbeiten werden von den Mitgliedern im Projekt dagegen ehrenamtlich erledigt, um Kosten zu sparen und zu herauszustreichen, dass es ein Projekt der Menschen in Tilata für die Menschen selbst ist. So fallen bei den Kosten vor allem die Materialien für den Bau ins Gewicht, möchte man nicht wieder eine preiswerte Adobe-Wand errichten.

Für die hochwertige Rekonstruktion der gesamten Außenmauer werden – einschließlich aller Personal- und Materialkosten – etwa 1500 Euro veranschlagt. Wir hoffen, wieder einen guten Teil der Kosten mit größeren Sponsoren decken zu können, um so zumindest die notwendigen Arbeiten an der Einsturzstelle schnell abzuschließen. Ein erheblicher Teil hängt jedoch sicher von den vielen kleinen privaten Spenden ab, die uns erreichen. Bitte unterstützen daher auch Sie uns, um die gefährlichen Außenmauern abzusichern. Vielen Dank!

Alle Möglichkeiten zur Unterstützung finden Sie hier. Wir stellen Ihnen gerne eine Spendenquittung aus, die sie steuerlich geltend machen können. Wir freuen uns über Ihre Spende zum Wiederaufbau der Außenmauer und möchten und schon herzlichen für Ihre Hilfe bedanken!


Erlebnispädagogik oder Überlebenstraining?

5. Juni 2009

Vor knapp zwei Wochen hatte ich über die Anschaffung der Zelte berichtet, mit dem Ziel eine Wanderung in die Yungas zu unternehmen. Diese Wanderung hat mittlerweile stattgefunden. Während mir die Lehrer aus dem Projekt aber fast nüchtern von einem Ausflug berichteten, in dem es um Erlebnispädagogik und Naturerfahrung ging, erzählten die Jugendlichen begeistert von der Wanderung als Überlebenstraining („caminata de sobrevivencia“), als großem Abenteuer. Doch machen Sie sich am besten selbst ein Bild…

Für die Tour wurde zunächst ein ortskundiger Führer gebucht, denn man wollte sich auf dem Weg nicht verirren – im Gegenteil: man wollte den alten Inkapfad in die Yungas gehen, um den Jugendlichen etwas über die eigenen Vorfahren beibringen zu können.

Die ganze Wanderung stand unter dem Motto „Ayni“ – das ist Aymara und heißt: „Heute für Dich und morgen für mich!“ – ein wichtiges Prinzip der Aymarakultur. Man wollte also das Gemeinschaftsgefühl und die gegenseitige Hilfsbereitschaft stärken – und tatsächlich: schon bald sah man die älteren Jugendliche, wie sie den Rucksack der jüngeren Teilnehmer trugen, bzw. die Gentlemen, wie sie die Damen beim Gepäck unterstützten.

Gute Laune und viel Spaß stärken das Gemeinschaftsgefühl

Gute Laune und viel Spaß stärken das Gemeinschaftsgefühl

Am ersten Tag ging es fast nur bergauf – zunächst musste die Andenkette überquert werden, bevor man am nächsten Tag in Richtung Yungas wieder abwärts laufen konnte. Man kann sich gut vorstellen, wie müde die ganze Gruppe am Ende des Tages war. Während die hartgesottenen Jugendlichen draußen im Zelt schliefen, kamen die Betreuer und jüngeren Teilnehmer der Wanderung in einer kleinen Hütte unter.

Über Stock und Stein: Natur hautnah erleben

Über Stock und Stein: Natur hautnah erleben

Am nächsten Tag ging es dann gut erholt bergabwärts. Langsam nahm die Vegetation zu: das staubige Ocker der Hochebene verwandelte sich langsam zu tropischem Grün. Nach dem Mittagessen hielt man sich noch ein wenig mit einem Fußballspiel auf, bei dem Sariry gegen eine andere Wandergruppe antrat. Natürlich hat Sariry gewonnen und als Preis gab es eine Flasche Limonade. Derart gestärkt ging es schließlich auf die letzte Etappe, zur Ortschaft Yanacachi.

Endlich angekommen: soviel Bewegung macht hungrig!

Endlich angekommen: soviel Bewegung macht hungrig!

Am Ziel angekommen waren dann alle erschöpft und glücklich zugleich. Ein gemeinsames Abendessen rundete die Wanderung ab, bevor es mit dem Bus wieder zurück nach Tilata ging. Für die Jugendlichen war das ein einmaliges Erlebnis, an das sie noch lange denken werden!

Ich möchte die vielen Dankesbekundungen, die mich von Lehrern und Jugendlichen erreicht haben, an dieser Stelle gerne weiterleiten – diese gelungene Wanderung wäre ohne Ihre Unterstützung nicht möglich gewesen!


Einige Anschaffungen in Sariry

23. Mai 2009

Wie immer sind wir um bestmögliche Transparenz bemüht, wenn es um die Verwendung Ihrer Spende geht und so können wir Ihnen ausnahmslos alle Ausgaben für Personal, Strom, Wasser, Lebensmittel, Unterrichtsmaterial, usw. auf dem Papier nachweisen. Nur: was hilft es, die dicken Rechenschaftsberichte bis ins letzte Detail durcharbeiten zu können, wenn man als Spender wirklich sehen möchte, was mit seinem Geld geschieht? Heute versuchen wir daher, einige exemplarische Anschaffungen „sichtbar zu machen“, die mit Ihrer Unterstützung in letzter Zeit möglich wurden.

Gymnastikmatten

Die körperliche Entwicklung fördern: Gymnastikmatten

Die körperliche Entwicklung fördern: Gymnastikmatten

Dass sich Kinder besser entwickeln können, wenn sie sich bewegen können, ist ein alter Hut. Daher haben wir in Sariry immer viel Wert auf Sport und Spiel gelegt. So haben wir nun endlich Gymnastikmatten angeschafft, damit die Kinder spielerisch und ohne Vereltzungsgefahr ihr Körpergefühl ausbilden können.

Hygieneartikel

Noch nicht jedermanns Freund: Zahnbürste, Zahnpasta und Seife

Noch nicht jedermanns Freund: Zahnbürste, Zahnpasta und Seife

Die hygienischen Bedingungen in Tilata haben bei uns nach wie vor höchste Priorität: ob es um den Wasseranschluss geht oder die Hygiene-Erziehung – die Vermeidung von Infektionskrankheiten ist ein Schlüssel zur Verbesserung der Lebensbedingungen in Tilata. Und wie so oft (z.B. Umweltschutz) können die Eltern auch hier von ihren Kindern lernen: daher bekommen gerade die Kinder in Sariry beigebracht, wie man mit Seife und Zahnbürste einen Beitrag leisten kann, die Gesundheit zu schützen. Und dafür brauchen wir kontinuierlich Anschauungs- und Übungsmaterial. Zuhause zeigen dann die Kinder ihren Eltern, wie man die Hygiene verbessern kann.

Zelte

Verantwortung und Teamgeist: Gemeinsam auf Wanderschaft

Verantwortung und Teamgeist: Gemeinsam auf Wanderschaft

Die Jugendlichen sind für Sariry vielleicht die schwierigste Zielgruppe. Sie sind oft schon für das Einkommen in der Familie (mit)verantwortlich, und von dieser Verpflichtung kann man nicht einfach freimachen. In ihrer Freizeit wollen sie dann aber natürlich lieber Abenteuer erleben, als in der Theorie zu lernen. Für die Jugendlichen wurde daher ein mehrtägiger Ausflug geplant, bei dem sie als Gruppe füreinander Verantwortung übernehmen müssen und dabei noch so einiges über die eigene Region erfahren können – eine Wanderschaft in die Yungas. Das Foto zeigt die Jugendlichen, wie sie ihre Zelte auf die Reisetauglichkeit prüfen…

Wir möchten uns ganz herzlich für Ihre Unterstützung bedanken! Bitte helfen Sie uns auch in Zukunft, wenn es darum geht, den Menschen in Tilata eine Perspektive zu geben…


Platz machen für bessere Entwicklung

25. April 2009

Das Projekt Sariry hat sich in den letzten Wochen in eine Baustelle verwandelt und alle Leute in Tilata helfen fleißig mit: mit vereinten Kräften werden zwei neue Räume gebaut. Heute möchten wir darstellen, was da genau geschieht, wie es zu der Baustelle kam und welche Unterstützung noch benötigt wird. In guter alter Manier als Antworten auf die wichtigsten Fragen…

Das Projekt Sariry in Tilata

Sariry in Tilata: seit 2003 findet hier die Projektarbeit statt

Woher kommt das Geld für den Bau?

In Kanda gibt es seit einiger Zeit die Initiative Bolivian Kids. Während hier vormals mehrere unterschiedliche Projekte nach dem Prinzip der „Gießkanne“ unterstützt wurden, gab es im letzten Jahr eine Konzentrierung der Aktivitäten auf Sariry. Das brachte zwar (zur großen Freude) eine überdeutliche Aufstockung im Etat mit sich – aber noch niemand mag so recht daran glauben (und schon garnicht damit rechnen), dass das Geld in diesem Umfang auch in der Zukunft zur Verfügung stehen wird.

Das letzte Jahr 2008 konnte in Bolivien so mit einem dicken Plus von rund 2.800 USD abgeschlossen werden. Doch steht dieses Geld auch in Zukunft zur Verfügung? Sollte man mit dem Geld einen zusätzlichen Lehrer einstellen? Und was, wenn die Unterstützung im nächsten Jahr geringer ausfällt? Mit regelmäßigen Einnahmen kann man laufende Ausgaben decken – einmalige Einnahmen nimmt man dagegen am besten für einmalige Projekte her. Und einen großen Anwärter für solch ein „einmaliges Projekt“ hatten wir schon lange: vor allem der Bau von neuen Räumlichkeiten war zunehmend notwendiger geworden!

Warum ist der Anbau notwendig geworden?

Dafür gibt es vor allem zwei Gründe: Der erste Grund  hat etwas mit der erfolgreichen Arbeit von Sariry und dem Bevölkerungswachstum in Tilata zu tun. Seit den Anfängen von Sariry kamen immer mehr Kinder und Jugendliche ins Projekt. Gleichzeitig wurde das Inventar immer größer: es gibt nun Computer, Musikinstrumente und vieles mehr. Das hat zu immer größeren Kapazitätsproblemen geführt: die Klassenzimmer sind für die vielen Kinder zu klein geworden. Der Computerraum ist zur Zeit provisorisch im Büro und Lehrerzimmer untergebracht. Für die Musikproben gibt es keinen noch geeigneten Raum, in dem nicht alle anderen Klassen gestört würden. Im Ergebnis wirken die fehlenden Räume wie eine Bremse für das Wachstum im Projekt.

Der zweite wichtige Grund hat dagegen etwas mit den strategischen Zielen von Sariry zu tun: Sariry heißt „Gemeinsam nach vorne gehen!“ – und dieses „gemeinsam“ bezieht sich auf die Kinder und Eltern. Nur wenn die Kinder ganztags betreut werden, können die Eltern einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen – und nur wenn die Eltern dabei genug Geld verdienen, können die Kinder wirklich vor Kinderarbeit geschützt werden und in die Schule gehen. Daher hatten wir in unseren Zielen immer Kinder und Erwachsene gleichermaßen im Auge: Ganztagsbetreuung und Bildung für die Kinder; Arbeitsbeschaffung und Erwachsenenbildung für die Eltern.

Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt dabei auf den Kindern: als schwächste Mitglieder der Gemeinschaft ist ihre Entwicklung besonders schützenswert. Daran wird sich auch in Zukunft sicherlich nichts ändern. Nun soll aber verstärkt auch die Arbeit mit den Erwachsenen verfolgt werden, da nur so die nachhaltige Entwicklung des Projekts funktionieren kann. Und in einem ersten Schritt braucht es dafür einfach einen eigenen Raum, der den Anforderungen aus der Erwachsenenbildung genügt.

Zivi David bei der feierlichen Grundsteinlegung

Zivi David bei der feierlichen Grundsteinlegung

Was soll in den neuen Räumlichkeiten passieren?

Es sollen zunächst nur zwei Räume im Erdgeschoss gebaut werden. Allerdings wird die Statik bereits darauf ausgelegt, dass man in der Zukunft vielleicht einmal mit einer weiteren Etage aufstocken kann.

Von diesen beiden Räumen soll ein Raum für die Kinder- und Jugendarbeit hergenommen werden. Hier könnten vielleicht zunächst die Computer einen eigenen Raum bekommen. Möglich wäre aber auch, dass dort die Instrumente untergebracht werden. Die Überlegungen, wie dieses Zimmer konkret genutzt wird, sind allerdings noch ein wenig offen.

Recht bestimmt lässt sich dagegen sagen, was mit dem zweiten Raum geschehen soll. Hier soll eine Werkstatt für die Erwachsenenbildung eingerichtet werden. Da vor allem die Mütter in Sariry Hilfe suchen, ist das Angebot im Schwerpunkt zunächst auf typische „Frauenarbeit“ ausgerichtet: geplant ist eine Textilwerkstatt mt mehreren Nähmaschinen. Auf diese Weise könnten die Menschen von Tilata in Sariry eine Ausbildung zum Näher machen und so ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Vielleicht kann durch die Werkstatt gleichzeitig eine kleine Einnahmequelle für Sariry geschaffen werden, die hilft, dass sich das Projekt eines Tages selbst tragen kann.

Welche weiteren Vorteile bringt der Neubau?

Wie schon vor sechs Jahren lassen wir die Arbeiten weitmöglichst unentgeltlich von den Menschen aus Tilata erledigen, um einen Beitrag der Bevölkerung einzufordern: Sariry ist ein Projekt zur Selbsthilfe von den Menschen aus Tilata für die Menschen aus Tilata. Wir haben mit diesem Konzept, einen Eigenbeitrag einzufordern, gute Erfahrungen gemacht: viele der Familien, die damals beim Aufbau der Schule geholfen haben, engagieren sich noch aktiv und fühlen sich dabei nicht als Bittsteller sondern als konstruktiven Teil des Projekts. Der Neubau stärkt also das Geminschaftsgefühl im Projekt.

Natürlich können wir nicht alle Arbeiten von Laien erledigen lassen. In diesem Fall versuchen wir ortsansässige Facharbeiter zu beschäftigen und auch die Materialien möglichst vor Ort zu kaufen. Das hat positive Effekte auf die Wirtschaftslage in Tilata: den Familien wird eine Beschäftigung und ein Einkommen gegeben. Insbesondere jetzt, wo die wirtschaftliche Lage unsicher ist, setzt das positive Akzente in Tilata.

Stehen bereits ausreichend Mittel zur Verfügung?

Leider nein! Mit den 2.800 USD aus dem letzten Jahr konnte der Bau nur begonnen werden. Es war aber wichtig, das Geld sofort in die Materialien zu investieren, da eine  Inflationsrate von zuletzt über 10% die Preise in Bolivien immer weiter in die Höhe treibt. Daher war es am besten, das Geld nicht zu sparen, sondern zeitnah (mit noch niedrigeren Preisen) zu investieren. Für die Fertigstellung des Gebäudes inklusive Einrichtung werden aber wohl trotzdem noch rund 8.000 USD notwendig sein. Bis die notwendigen Mittel beisammen sind, bleiben die neuen Klassenzimmer als Rohbau stehen und können nicht benutzt werden.

Wir brauchen wieder Ihre Unterstützung! Mit jedem zusätzlichen Euro, der nach Bolivien geht, kann auf der Baustelle weitergearbeitet werden. Geben Sie den Menschen von Tilata eine Perspektive. Alle Möglichkeiten, wie Sie uns unterstützen können, finden Sie auf unserer Homepage. Dankeschön!


Die Problematik der Patenschaften

31. März 2009

Bei unserem Verein wird häufig angefragt, ob sich eine Patenschaft für ein Kind übernehmen ließe – was wir immer wieder verneinen müssen. Heute möchte ich darstellen, was es aus unserer Sicht mit Patenschaften auf sich hat.

Vorteile einer Patenschaft
Fangen wir mit den Vorteilen an: Patenschaften haben nämlich tatsächlich eine Menge Vorteile, die wir Ihnen nicht verschweigen wollen. Zunächsteinmal natürlich für das betroffene Kind: in der beklemmenden Situation von Armut ist es schön, einen engagierten Fürsprecher und Mentor zu haben (kleine Geschenke sind natürlich auch immer willkommen). Für den Unterstützer ist es dagegen besonders reizvoll, wenn die eigene Hilfe ein Gesicht bekommt und er direktes Feedback zu Erfolgen und Misserfolgen erhält. Und deswegen ist er auch dazu bereit, regelmäßig einen höheren Betrag zu spenden. Und davon profitiert letztlich auch die Hilfsorganisation: je mehr regelmäßige Förderer es gibt, desto weniger Aufwand muss betrieben werden, um den Haushalt zu decken. Umgekehrt muss zudem weniger Aufwand betrieben werden, um die Verwendung der Spende nachweisen zu können – eine Patenschaft ist an sich schon ziemlich transparent.

„Sariry muss verrückt sein, wenn es auf all diese Vorteile verzichtet“, mögen Sie nun vielleicht denken. Nun, wir denken, dass die Nachteile von Patenschaften deutlich überwiegen. Doch machen Sie sich selbst ein Bild:

Probleme einer Patenschaft
Zunächst haben wir in Tilata mit einer großen Bevölkerungsfluktuation zu kämpfen. Für viele Familien ist Tilata leider nur eine Zwischenstation auf ihrer Suche nach dem besseren Leben. Für eine dauerhafte Patenschaft ist das aber hinderlich: wie geht eine Patenschaft weiter, wenn die Kinder wegen eines Umzugs nicht mehr ins Projekt kommen können? Die Enttäuschung auf beiden Seiten der Patenschaft ist vorprogrammiert.

Freilich haben wir auch einen großen Stamm an Kindern, die schon seit Jahren in Sariry betreut werden. Sollte man Patenschaften also an die Bedingungen regelmäßiger und dauerhafter Teilnahme am Projekt knüpfen? Leider haben das die Kinder aber nicht selbst in der Hand: bei einem Umzug haben Kinder (nicht nur in Bolivien) selten ein Mitspracherecht. Und so handfest sind die Vorteile einer Patenschaft für die Familie nicht, dass sie sich deshalb einen besseren Job andernorts durch die Lappen gehen ließe und auf den Umzug verzichteten.

Der monatliche Beitrag, den die Paten leisten, geht selten direkt an die Familien – sondern bleibt meist im Projekt. Das ist auch richtig so: stellen Sie sich das soziale Klima in einer Jugendgruppe vor, in der die eine Hälfte der Kinder einen Paten hat (und regelmäßig Briefe, Geschenke und Taschengeld bekommt) und die andere Hälfte nicht. Wenn ein Projekt keine Patenschaften für jedes Kind garantieren kann, wird es tunlichst vermeiden, dass die Paten zu viel Einfluss auf ihre Patenkinder nehmen können: Die Patenschaften würden im Projekt mehr Probleme erzeugen als lösen.

Warum aber lässt sich nicht einfach für jedes Kind ein Pate finden? Einen Grund habe ich Ihnen schon vorgestellt: laufende Zu- und Fortzüge. Ein weiterer Grund ist leider in allen Patenprojekten traurige Realität: nicht alle Kinder sind gleichermaßen an Paten zu vermitteln. Da gibt es die kleinen Mädchen, die mit Schleife im Haar und einem charmanten Zahnlückenlächeln alle Interessenten in ihren Bann ziehen – solch ein Patenkind will jeder haben. Unscheinbare, ältere Kinder, die gar noch Behinderungen oder andere Auffälligkeiten mitbringen, sind für viele Menschen „eine Nummer zu groß“. Oft hätten aber gerade solche Kinder einen Paten bitter nötig und verdient. Und weil Sariry gerade auch solchen Jugendlichen helfen möchte, kommt ein Patenschaftssystem für uns nicht in Frage.

Ich möchte Ihnen einen letzte Grund nennen (und es gäbe sicher noch weitere): denken Sie auch an die Kinder! Bei Patenschaften geht es oft nicht so sehr um die Kinder, sondern um eine effiziente Form des Spendensammelns. Die Paten sollen durch Kinderzeichnungen und kleine, authetische Briefe dazu animiert werden, regelmäßig einen höheren Betrag zu spenden. Um diese Verheißungen einzulösen, müssen die Kinder in der Herstellung von Briefen und Zeichnungen und als Modelle bei Fotoshootings oft so einiges über sich ergehen lassen. Ich übetreibe das Argument: Patenschaften sind ein Geschäft mit den Gefühlen der Spender – und dass die Kinder dafür instrumentalisiert werden, ist aus unserer Sicht alles andere als  im Geist von Entwicklungszusammenarbeit.

Die Alternative zur Patenschaft
Wir haben überlegt: niemand möchte nur ein Goldesel für soziales Engagement sein. Im Gegenteil: natürlich möchte man direkten Anteil an den Erfolgen seiner Unterstützung nehmen können. Daher bieten wir „thematische Patenschaften“ an.

Werden Sie zum Beispiel Pate für die medizinische Versorgung in Sariry – davon profitieren alle Kinder und niemand wird benachteiligt. Wie das geht? Werden Sie Förderer von Sariry! Sie unterstützen uns mit einem regelmäßigen Betrag und können dabei Einfluss auf den Verwendungsbereich der Spende nehmen. Im Gegenzug informieren wir Sie über die Fortschritte, die mit ihrer Spende erwirkt werden konnten. Wir denken, dass dieses Angebot die beste Alternative zur herkömmlichen Patenschaft ist.

P.S.: Noch eine wichtige persönliche Anmerkung zum Schluss: Ich halte es für äußerst unfair, andere soziale Projekte schlecht zu machen, um Spender für die eigene Sache zu gewinnen. Viel wichtiger ist es mir, dass sich Menschen überhaupt sozial engagieren. Ich möchte Sie daher auch nicht von einer Patenschaft abhalten, wenn das für Sie die persönlich beste Möglichkeit zu sozialem Engagement ist. Ich wollte Ihnen nur verständlich machen, warum es bei Sariry keine Patenschaften gibt. Nun liegt es alleine an Ihnen…


Plan und Wirklichkeit

18. März 2009

Als ich 2006 das Projekt in Bolivien besuchte, hatte ich das Vergnügen, mich intensiv mit dem Subalcalde (entspricht in etwa dem Bürgermeister) von Tilata über die Entwicklungschancen des Ortes austauschen zu dürfen. Der Subalcalde war ein etwas älterer, charmanter Herr, der damals frisch ins Amt gekommen war, um seinen korrupten Vorgänger zu ersetzen. Den Mangel an politischer Erfahrung sollte ein junger Akademiker ausgleichen, der ihm als Assistent zur Seite gestellt worden war. Leider war die Gemeindekasse aber absolut leer (vermutlich sogar mehr als das) und die staatlichen Stellen wollten keine zusätzliche Unterstützung geben. Da der Subalcalde aber neben viel Idealismus auch einen außerordentlichen Ehrgeiz mitbrachte und nicht im geringsten vorhatte, seine Zeit in dem kleinen Ort abzusitzen, musste er kreativ sein: Als einzig machbare Politik schien ihm, die Aktivitäten der Unternehmen und sozialen Einrichtungen in Tilata aktiv zu koordinieren. Und da stand SARIRY ganz oben auf seiner Liste.

Bei diesem Gespräch habe ich einen Straßenplan von Tilata ergattert: Man entschuldige bitte die schlechte Qualität der Karte – ich musste eine Fotokopie abfotografieren und das Ganze nachträglich mit einem Grafikprogramm überarbeiten. In Deutschland angekommen hab ich mir dann noch bei Google Maps ein Satellitenfoto besorgt (und auch etwas nachbearbeitet). Ich glaube man sieht daran nun ganz schön die Diskrepanz zwischen Plan und Wirklichkeit:

Tilata auf dem Plan...

Tilata auf dem Plan...

... Tilata in der Wirklichkeit

... Tilata in der Wirklichkeit

Das Problem der Siedungsdichte
Was sofort auffällt, sind die riesigen Baulücken. Ein Großteil der Grundstücke ist noch unbebaut. Und während einige Parzellen ihre Grenze zumindest durch eine provisorische Mauer andeuten (hinter der sich oft nichts verbirgt), ist der weitaus größere Flächenanteil des Ortes ohne jegliche Markierung. Zudem sind die Straßen in Tilata nicht asphaltiert und unterscheiden sich so nicht wahrnehmbar von den Baulücken. Vor Ort kann man die Struktur im Stadtplan also nicht nachvollziehen.

Dabei hatte sich der Plan so einiges vorgenommen: Man sieht deutlich, dass der Ort von kleinen Zentren durchzogen sein sollte, in denen die Nachbarschaft zusammenfindet. Diese Zentren wären städtebauliche Orientierungspunkte für das Gemeinwesen geworden: Parks, Sportplätze, kleine Treffpunkte. In der Praxis gibt es allerdings überhaupt kein Zentrum.

Das hat schwere Konsequenzen auf das Sozialgefüge von Tilata. Der Ort leidet darunter, dass es kein Zentrum gibt: der nächste Marktplatz, an dem sich Angebot und Nachfrage treffen können liegt weit entfernt. Und oft erstreckt sich die Reichweite der sozialen Kontakte nur über ein paar Straßen – und umfasst damit nur einige wenige Menschen. Angebote wie Sariry werden daher als sozialer Treffpunkt gerne angenommen und haben eine wichtige Funktion in der Ortschaft.

Die geringe Bevölkerungsdichte birgt aber ein weiteres Problem: die Entwicklung der Infrastruktur kostet viel und erreicht dabei nur wenige Menschen. Die Gemeinde hat einfach nicht genügend Geld, um kilometerlange Wasser- / Abwasserrohre, Straßennetze, etc. zu legen, wenn am Ende nur ein Dutzend Haushalte tatsächlich davon profitieren (das selbe Argument gilt für Schulen, Krankenhäuser, etc.). Die Kosten der Infrastrukturerrichtung sind bei der geringen Siedlungsdichte einfach zu hoch.

Das Problem der Innenraumentwicklung
Das Satellitenfoto täuscht sogar, denn tatsächlich sind viele der Häuser vor Ort unbewohnt:

Irgendwann haben Leute das Grundstück gekauft, um dort ihr neues Leben anzufangen. Schnell mussten sie jedoch feststellen, dass in Tilata schlechte Lebensbedingungen vorherrschen und es kaum Aussicht auf eine schnelle Besserung gibt: keine Grundversorgung, wenig Arbeit, etc.. Deshalb haben sie, als sie im Zentrum bessere Arbeit gefunden haben, einfach ihr Haus zurückgelassen. Dort steht es nun – oft völlig verwahrlost, und teilweise sogar in sich eingefallen.

Die Grundstücke in Tilata haben ihre Eigentümer alle bereits gefunden. Diese interessieren sich aber nicht mehr für den Ort und blockieren damit (ohne Mutwilligkeit), dass der Ort zusammenwachsen kann. Ein Teufelskreis ist in Kraft gesetzt: Solange der Ort so zersiedelt ist, bleibt die Infrastruktur von Tilata aus Kostengründen unterentwickelt. Solange es aber keine Infrastruktur gibt, besteht für die Eigentümer der Grundstücke kein Anreiz, die Baulücken zu schließen und nach Tilata zurückzukehren. Vor diesem Hintergrund wird vielleicht erst verständlich, warum wir so stolz darauf sind, dass nach langen Verhandlungen ein Wasseranschluss als Prototyp ins Projekt gelegt wurde. Es geht eben auch darum, mit einer Vorausleistung die Abwärtsspirale zu durchbrechen.

Das Problem der Fluktuation
Ein letztes Problem (zumindest für diese Darstellung) muss Tilata bewältigen: Nach wie vor kommen neue Menschen von außerhalb der Stadt an. Für sie ist Tilata bereits eine Verbesserung ihrer Lebensbedingung – das heißt aber nicht, dass sie vorhaben, hier dauerhaft zu bleiben. Sobald das Zentrum von La Paz mit besserer Arbeit lockt, werden viele von ihnen weiter in Richtung Stadtmitte ziehen. So ist es in Tilata ein ständiges Kommen und Gehen – ein gesundes Gemeinwesens kann sich in Tilata aber kaum ausbilden.

Mit jeder neuen Person, die kommt, ist die Chance verbunden, dass der Ort ein wenig zusammenwächst – und mit jeder Person, die wieder geht, ist die Gefahr angezeigt, dass der Ort immer weiter verwahrlost und zu einer Wartehalle auf bessere Zeiten verkommt. Es gilt also, die Bevölkerungsfluktuation in Tilata deutlich zu verringern (zum Beispiel: die Push-Faktoren des Standorts ausmerzen und die Pull-Faktoren entwickeln).

Die Rolle von Sariry
Es ist illusorisch, dass Sariry diese Situation grundlegend ändern kann (etwa durch Straßen- oder Kanalbau). Und doch hat Sariry eine wichtige Funktion in der kommunalen Entwicklung:

Wenn den Menschen mit Sariry handfeste Perspektiven geboten werden, bleiben sie vielleicht ein wenig länger in Tilata. Vielleicht trägt sie die Hoffnung, dass der Ort eine Zukunft hat – und vielleicht kann man dieser Hoffnung eine Berechtigung geben, wenn man deutliche Signale setzt. Der Wasseranschluss im Projekt macht Mut. Die Erwachsenenbildung im Projekt gibt Perspektiven. Kontakte werden geknüpft – der Ort wächst zu einer Gemeinschaft zusammen. Die Menschen bleiben und Tilata gewinnt an Profil. Das ist sicher noch nicht genug, um sich darauf ausruhen zu können, aber eine wesentliche Bedingung dafür, dass es mit der kommunalen Entwicklung überhaupt weiter gehen kann.

Ich hatte in der Einleitung ja bereits erwähnt, dass der Subalcalde bei unserem Gespräch einen beeindruckenden Idealismus zeigte – vielleicht, weil er erst jung im Amt war: er musste seinen korrupten Vorgänger ersetzen. Gerade weil er aber über die alltägliche Korruption in einem armen Land wie Bolivien wusste, hatte er kaum noch Vertrauen in die Kommunalverwaltung. Sein eigener Handlunsspielraum war auf die Amtszeit beschränkt, sein Budget war mehr als knapp – und er hatte auch keine Hoffnung, dass sein Nachfolger die eigenen Projekte gewissenhaft fortführen würde. Für ihn kam das einer politischen Ohnmacht gleich.

Die einzig Perspektive, die er daher für Tilata sah, lag in ausländischen Hilfsorganisationen: erstens, weil Dollar mehr bewegen als Bolivianos, zweitens aber wegen des dauerhaften, stabilen und gewissenhaften Engagements. Seine konkreten Hoffnungen, die er mir gegenüber äußerte (insbesondere zur Höhe zukünftiger Investitionen) waren vollkommen übertrieben – aber die Grundidee blieb mir in guter Erinnerung: in einem politisch instabilen Land mit hoher Korruption kann man von staatlichen Stellen nur kurzfristige Unterstützung erwarten – das langfristige Engagement muss dagegen von unabhängigen Organisationen wie Sariry kommen.

Ein Ort, in dem es kaum sozialen Zusammenhalt gibt, weil fortwährend Menschen zu- und fortziehen, – ein Ort, in dem es kein Zentrum und keine Peripherie, keine Vergangenheit und (fast) keine Zukunft gibt, – ein Ort wie Tilata braucht die dauerhafte Unterstützung von einem Projekt wie Sariry.


Am Ende war der Tod stärker…

5. März 2009

Ich habe lange überlegt, ob ich die traurigen Neuigkeiten aus dem Projekt in unserem Blog überhaupt veröffentlichen soll. Die Vorfälle haben jedoch alle Menschen im Projekt zutiefst bewegt und der letzte Weg wurde intensiv von Sariry begleitet. Ich komme daher heute einer unerfreulichen Pflicht nach…

Vergangenes Jahr klagte der 13-jährige Veymar über anhaltendes starkes Kopfweh. Da die Eltern als Steinmetze arbeiten und nur wenig verdienen, wollten sie zunächst nicht zum Arzt gehen, konnten aber schließlich von der Projektleitung doch überzeugt werden. Der Arzt dignostizierte eine Hirnhautentzündung. Die Medikamente schlugen jedoch nicht an – im Gegenteil: der Zustand von Veymar verschlechterte sich rapide. Es kamen hohes Fieber und eine Lähmung der rechten Körperhälfte hinzu.

Offensichtlich waren weitere ärztliche Untersuchungen und Behandlungen dringend notwendig. Da die Familie wirtschaftlich dazu aber nicht in der Lage war, wurden ab diesem Zeitpunkt alle weiteren Behandlungsschritte von Sariry abgewickelt. Nach einer Computertomographie wird eine virale Enzephalitis vermutet und Veymar bleibt eine Woche im Krankenhaus. Kurzfristig schwinden die Symptome, kehren jedoch schnell wieder zurück. Daher wird ein operativer Eingriff empfohlen. Bei dieser Operation tritt schließlich völlig unerwartet der Gehirntod ein.

Die Menschen aus Tilata verabschieden sich von Veymar.

Die Menschen aus Tilata verabschieden sich von Veymar.

In Sariry hatten viele Menschen das Schicksal von Veymar mitverfolgt und für ihn gehofft. Als die Nachricht von seinem Tod eintraf, machte sich große Bestürzung breit.

Da es in Tilata keinen Friedhof gibt, ließ ihn seine Familie außerhalb der Stadt auf freiem Feld bestatten. Viele Menschen aus Tilata nahmen an der Beerdigung teil und erwiesen Veymar die letzte Ehre.

Bestürzung und Trauer: Veymar war allen ein guter Freund

Bestürzung und Trauer: Veymar war allen ein guter Freund

Ich möchte der Familie von Veymar auch im Namen aller deutschen Unterstützer unser großes Mitgefühl aussprechen. Am Ende war der Tod stärker…


David möchte die Hygiene verbessern

2. Februar 2009

Während Vitus an seinem Breakdance-Projekt arbeitet, hat sich unser Zivi David mit ganz grundsätzlichen Verbesserungsmöglichkeiten beschäftigt:

Was mir am Herzen liegt, ist die Hygieneerziehung der Kinder. Ich erachte es als sehr wichtig den Kindern zu vermittlen, für was beispielsweise das Händewaschen nach dem Klogang wichtig ist.

In Tilata gibt es erst seit August letzten Jahres eine öffentliche Wasserversorgung. Zuvor musste das Wasser aus Brunnen geschöpft werden, die oft jedoch nur zu den oberen Schichten des Grundwassers reichten – mit fatalen Folgen: Da es keine Kanalisation gab, sickerten die Abwässer ins Grundwasser und gelangten so auf direktem Wege wieder in die Nahrungskette.

Um dieses Problem zu umgehen, ließ sich SARIRY von einem Tanklaster mit Wasser beliefern. Das Wasser war damit zwar zunächst frei von Verunreinigungen, die Lagerung des Wassers war aber ein großes Problem: Das Wasser stand in den schlecht verschließbaren Fässern und war der starken Höhensonne ausgesetzt. Je länger das Wasser also so gelagert wurde, desto schlechter wurde seine Qualität.

Das Trinkwasser musste früher in Fässern gelagert werden

Das Trinkwasser musste früher in Fässern gelagert werden

Seit wenigen Monaten gibt es nun in SARIRY einen öffentlichen Wasseranschluss, der den Familien von Tilata Zugang zu sauberem Wasser ermöglicht. Diese verbesserten Bedingungen sind eine wichtige Grundlage für die Hygieneerziehung von David.

Allerdings gibt es mit der Wasserleitung noch große technische Probleme:

Leider ist die neue Wasserinstallation im Projekt suboptimal. Es wurden Plastikleitungen verlegt, die offen liegen und somit öfter auch mal einen Fussball abbekommen. Der einzige Wasserhahn ist an der Küchenwand angebracht, was zur Folge hat, dass die Wand oft nass ist. Zudem ist der Wasserhahn aufgrund einer schlechten Installation großen Kräften ausgesetzt und daher schon des Öfteren kaputt gegangen.

Leider hat bei der Wasserleitung, wie auch sonst bei so vielem in Tilata, das Geld gefehlt. Dadurch konnte nur eine provisorische Lösung für die schlechte Wasserversorgung realisiert werden – aber immerhin: eine Lösung!

Die Feuchtigkeit in den Wänden kann man dennoch nicht hinnehmen. In Tilata werden viele Häuser aus luftgetrockneten Adobe-Ziegeln gebaut, weil diese wesentlich günstiger als gebrannte Ziegel sind. Werden solche Mauern nass (z.B. durch Regen), fallen sie oft ein. Insofern braucht es eine dringende Lösung! David hat auch schon einen Plan:

Ich will die Installation des Wasserhahns verbessern, indem ich zuerst den Wasserhahn fest an der Wand intalliere und dann eine Abdeckung dahinter anbringe, um die Wand vor den ständiger Feuchtigkeit zu schützen. Die Kosten für die Massnahmen dürften nicht sehr hoch sein.

Und David denkt schon einen Schritt weiter:

Zudem wäre es sinnvoll, in den Toiletten Waschbecken anzubringen, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, sich nach dem Toilettengang die Hände zu waschen und somit die Hygieneerziehung anzuregen.

Trotz schlechter Hygiene keine Berührungsängste

Trotz schlechter hygienischer Bedingungen keine Berührungsängste

Es gibt für David also noch viel zu tun: Zunächst muss er die bestehenden technischen Probleme in den Griff bekommen. Dann kann er sich daran machen, die sanitären Bedingungen durch die Installation von Waschbecken zu verbessern (bisher kann man sich die Hände nur in einer gemeinsamen Waschschüssel waschen, was die Übertragung von Krankheitserregern begünstigt). Um die hygienischen Bedingungen jedoch wirklich nachhaltig zu verbessern, müssen die Kinder über die richtigen Verhaltensweisen aufgeklärt werden. Noch fehlt das nötige Geld für den Ausbau der Sanitäranlagen, doch David wird nicht müde, für besser Bedingungen zu kämpfen. Zumindest in der Erziehung zu mehr Hygiene hat er schon mal anfangen…

Lieber David, vielen Dank für das tolle Engagement. Hoffentlich haben wir bald genug Geld zusammen, damit Du die dringend nötigen Waschbecken bauen kannst.

Wenn Sie uns und David helfen möchten, die Wasserinstallationen zu verbessern, können Sie gerne spenden. Die Bankverbindung zu unserem Spendenkonto finden Sie hier. Schon kleine Beträge können große Veränderungen bewirken!


Breakdance-Projekt von Vitus

26. Januar 2009

Wie unlängst versprochen, möchte ich die Nachrichten aus Tilata unmittelbar weiterleiten. Heute soll als erster Beitrag das aktuelle Breakdance-Projekt von Vitus vorgestellt werden.

Das Breakdance-Projekt in Tilata

Das Breakdance-Projekt in Tilata

Eines Tages äußerten die Jugendlichen von Tilata Interesse daran, Breakdance zu lernen. Vitus hatte zunächst noch Bedenken, denn für Breakdance benötgt man eine gute körperliche Verfassung und kontinuierliches Training, um das Verletzungsrisiko zu verringern. Für eine Eintagsfliege wäre der Aufwand zu groß gewesen:

Ich hielt das zu Beginn nur für einen Spaß und habe mich nur wenig darum gekümmert. Solche Trends sind nämlich – vor allem in diesem Alter – nicht sehr beständig.

Doch die Jugendlichen ließen nicht locker.

Erste Erfahrungen im Breakdance

Erste Erfahrungen im Breakdance

So begann Vitus zu überlegen, wie er das Breakdance-Projekt verwirklichen könnte. Vor allem: Wer sollte die Jugendlichen anleiten? Er selbst hatte zwar einige Erfahrungen gesammelt, aber würden die ausreichen?

Nachdem aber einige Jugendliche beider Geschlechter immer noch Interesse zeigen, habe ich in La Paz einen Lehrer gefunden, der mir Unterricht geben würde.

So bringt Vitus jede Woche neue Moves aus der Stadt mit, auf die die Jugendlichen in Tilata bereits sehnlichst warten.

Vitus zeigt was er gelernt hat

Vitus zeigt was er gelernt hat

Damit gibt es seit einigen Wochen eine Breakdance-Gruppe in SARIRY. Vitus ist zufrieden:  Das Projekt macht nicht nur allen Beteiligten großen Spaß, sondern fördert zudem Teamgeist, Körperbeherschung und Selbstbewusstsein.

Ich sehe darin eine gute Möglichkeit für eine sinnvolle Beschäftigung.

Lieber Vitus, wir auch. Vielen Dank für die tolle Umsetzung des Projektes!

Oft schwieriger als es aussieht

Oft schwieriger als es aussieht